Marco – Jupiter Jones

11 Jan

“Wir hatten einen ganzen riesen Arsch voll Schulden”: bis zum Glamour war es ein harter Weg für Jupiter Jones. Schlagzeuger Marco Hontheim erzählt erstaunlich offen über die Katastrophen, die nötig sind, bis eine Idee den Durchbruch erlangt – und, wo sie die eigentlich herholen, etwa für ihre wunderbare Single Still.

“Wir

eifern keinem Vorbild nach. Gut, von der Bandphilosophie sind die Foo Fighters uns schon ähnlich. Es ist zwar unangebracht für uns, sich mit denen zu vergleichen, aber die sind geblieben wie sie sind, ihren Weg gegangen und haben damit Erfolg gehabt. Das ist etwas, was wir sehr inspirierend finden.

Nici (Gesang) ist unser Texter. Er hat einen wahnsinnige Begabung. Es gibt für mich kaum eine Band, die Texte schreibt, die mich so treffen und mich so berühren. Er schafft es mit Sätzen Bilder zu malen und das ist eine Gabe, die man nicht lernen kann. Manchmal haut der in einer Viertelstunde einen Text raus.

Generell geht es in Nicis Texten um das Leben, um Dinge, die im Alltag passieren, die jeder Mensch immer wieder aufschnappt und wahrnimmt. Das beinhaltet manchmal auch traurige oder kritische Sachen. Immer wieder steckt die Kernaussage unseres allerersten Songs “Auf das Leben” drin. Das trifft alles, was bei uns passiert, das ist die Message: Das Leben ist total lebenswert, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse.

Die Anfangsjahre haben wir zum Teil in sehr fragwürdigen Zuständen verbracht. Es war ein unglaublich steiniger Weg. Wir sind mit einem alten, rostigen, klapprigen VW nach Hamburg gefahren und haben da für die Gage von einer Kiste Bier vor zwei zahlenden Leuten gespielt. Das war unser erstes Konzert in Hamburg. Uns kannte damals ja auch keiner. Man dachte immer so: “Jupiter Jones, die Hempel aus der Eifel“.

Unsere erste Tour durch Deutschland war auch unheimlich lustig, aber auch einfach wahnsinnig. Wir haben eine Demo online gestellt zum freien Download, was ein gewisser Robert Kasel mitbekommen hat. Der kam auf die Idee “Ey geil! Ich buch jetzt ne Deutschland-Tour!” Das war wirklich total aufregend, aber das waren Umstände, auf die wir auch heute nicht mehr eingehen würden. Vor sauwenig Leuten spielen, auf Bühnen zu schlafen und zu gucken, wann man wo was zu Essen möglichst günstig auftreiben kann. Daher sind wir heute immer noch dankbar, wenn sich ein Veranstalter ordentlich um uns kümmert, wir freuen uns immer noch tierisch mit einem Nightliner durch das Land zu düsen, was aber anders gar nicht mehr machbar wäre.

>> Irgendwann hatten wir einen ganzen riesen Arsch voll Schulden.

Die Band stand mehrmals vor dem finanziellen Untergang. Irgendwann hatten wir einen ganzen riesen Arsch voll Schulden, weil wir alles selbst finanziert hatten. Das war wirklich richtig viel. Das gipfelte dann vor der Produktion von “Holiday Catatonia” (2009). Wir waren absolut blank und mussten nochmal zur Bank gehen. Die haben auch schon komisch geguckt: “Ja, wir haben euch aber schon zwei Mal Geld gegeben und es ist noch immer nichts passiert.” Letztlich haben wir doch noch was bekommen und von Verwandten viel zusammengekratzt. Wir haben wirklich alles auf eine Karte gesetzt. Letztendlich hat das geklappt, aber das war schon alles verdammt hart.

Mit dem Plattenlabel Sony im Rücken sieht das natürlich ganz anders aus. Der Erfolg ist mit dem Lied Still gekommen. Also es reicht nicht für Luxus. Aber mittlerweile springt schon ein normales Mittelklassegehalt dabei

rum.

Die Autoren sind angehende Abiturienten des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun, wo auch ich zur Schule gegangen bin. Die drei haben für die Schülerzeitung “Der Klecks” Marco, Schlagzeuger der Band, getroffen. Der Text ist ein Auszug aus dem Interview.

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