Simon Wörpel – Kölner Studierendenzeitung

4 Dez

>> Du musst als Insider den Absprung schaffen.

Simon Wörpel kennt die Uni in- und auswendig. Er ist im Uniorchester, zuletzt war er Chefredakteur einer Fakultätszeitung, jetzt macht er sein eigenes Ding – die Kölner Studierendenzeitung, die heute zum ersten Mal erschienen ist.

Seine Themen sind wieder aus den Kölner Hörsälen, wie seine Leser. Zeit Campus Lokal sozusagen. Weil er so tief drin ist, ist er immer kurz davor ein Fachidiot zu werden - wie alle, die von einer Idee angetrieben sind. Im Interview mit leuchtstaben.de erklärt er, wieso das sein kreatives Ende wäre – und wie er dagegen ankämpft.

Simon, um die Frage vorweg zu klären: Was ist für dich ein Fachidiot?

Wenn sich jemand besonders gut mit einem Thema auskennt, aber jede Distanz dazu verloren hat. Ich bin also eher ein Insider. Distanz habe ich noch.

Was passiert, wenn du Distanz verlierst?

Dann kann ich nicht kreativ sein. Du musst als Insider den Absprung schaffen, damit du nicht daran festhängst, wie es die anderen machen. Schauen wir mal auf die Piraten-Partei: Die hatten maximale Distanz zur Politik, überhaupt keine Nähe. Die haben nicht nachgedacht, wie es bislang funktioniert hat. Die haben alles neu gemacht.

Das Schwierige ist doch, nicht vom Insider zum Fachidioten zu werden. Wenn man einmal in die Mühle gerät, wird man braver. Wie auch die Grünen. Man hat plötzlich Verständnis, weil man weiß, wieso etwas so ist wie es ist. Hast du Angst, dass das irgendwann auch mit dir passieren könnte?

Ja, davor will ich mich unbedingt schützen – und nehme deswegen Ideen von Außen auf. Mein Team von fast 40 Leuten ist eine große Hilfe dafür. Wir haben jede Woche Redaktionstreffen mit Kölsch. Da kommen die wildesten Ideen, das sind sehr inspirierende Abende. Als über Ratingagenturen in Deutschland geredet wurde, habe wir uns gedacht: Lass doch mal einen Artikel darüber schreiben, was wir alles in Köln downgraden. Die Zülpicher Straße, oder die KVB wird zu KVC. Sowas halt. Da lassen wir unserer Kreativität freien Lauf.

Das klingt nicht so, als seist du ein Fachidiot. Die sind so überzeugt, dass sie gar nicht mehr empfänglich sind für fremde Ideen. Konsultierst du oft andere Meinungen – nach dem Motto: Was hälst du davon? 

Ja, das muss auch nicht immer nur mein Team sein. Machmal frage ich auch meinen Vater oder meine WG – und dann lasse ich mir auch was sagen. Manchmal zu viel. Dann schmeiße ich alles über Bord. Das macht es dann leicht, vom Fachidiotentum wegzukommen – führt aber dazu, dass ich als Chef etwas unautoritär bin und zu wenig sage: Wir machen mal dieses Thema, basta!

Wird es dazu noch kommen?

Nein, das will auch keiner. Dann wird das schnell zu einer One-Man Show werden. Wenn ich das Gerät alleine machen würde, würde es scheitern. Dann würden auch viele Leute einfach nicht mitmachen.

>> Dieses “wir sind auf einer Linie”, “wir sind alle Öko” und bla, das befruchtet überhaupt nichts.

Auf wen hörst du denn – wer bringt deine Ideen ins Wanken? 

Ich höre auf Leute, die komplett anders denken als ich. Dieses „wir sind auf einer Linie“, “wir sind alle Öko“ und bla, das ist langweilig. Das befruchtet überhaupt nichts.

Wann war dein Team mal nicht auf deiner Linie?

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir die Zeitung Funk genannt – Freie Universitätsnachrichten Köln. Die kamen die Anzeigenleute und haben gesagt: Wir müssen pro Ausgabe zweitausend Euro einsammeln, wie sollen wir das machen mit so einem Titel? Ich wollte auch großes Zeitungsformat – haben wir jetzt auch nicht. Ja und? Da hab ich mich eines besseren belehren lassen.

Wir haben viel darüber gesprochen, wie wichtig Distanz für gute Inspiration ist. Wie wichtig ist eigentlich Insidertum dafür?

Ich glaube: sehr wichtig. Das ist sehr hilfreich, um Dinge einzuordnen. Es würde bei uns überhaupt nicht laufen, wenn wir uns im Anzeigengeschäft und beim Zeitungsmachen gar nicht auskenne würde. In der Musik ist es auch so, dass viele Insider sind. Die machen seit vielen Jahren Musik, bevor sie erfolgreich werden. Anders kann man nur schwer was neues schaffen.

Was macht ihr Neues?

Ich will jetzt nicht für uns rausnehmen, dass wir etwas komplett neu erfunden haben. Wir haben einfach Mut. Wir haben keine Rechtsabteilung, die uns den Rücken stärkt. Wir haben kein festes Team – wenn das wegbricht, dann hab ich ein riesiges Problem. Für uns ist das alles eine neue Erfahrung. Die größte Idee war sowieso zu sagen: Ich opfere wahrscheinlich meine Regelstudienzeit. Ich opfere überhaupt viel Zeit.

Simon Wörpel, 23 Jahre, kennt sich nicht nur mit der Uni, sondern auch mit Journalismus aus. Er ist Schüler der Kölner Journalistenschule und studiert nebenher VWL und Politik an der Uni Köln. Freizeit hat er auch manchmal.

Was denkst Du?


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